Gartentipp des Monats

Bütentraum und Wuchskraft - zweijährige Stauden sind besondere Hingucker im Garten. Für Insekten und Vögel ist ihre Blütenfülle und der reiche Samenansatz ein wahrer Segen. Wer mit ihnen gärtnert, darf lernen, sich am Zufall zu freuen.

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Fröhliches Treiben - Hyazinthen im Glas

In der lichtarmen Jahreszeit ist die Sehnsucht nach Frühling am stärksten. Kein Wunder, dass jetzt schon überall blühende Frühlingsboten im Topf beworben werden. Doch das wahre Gärtnerherz schlägt höher, wenn die Blütenpracht selbst gezogen ist. Dazu braucht es nur ein paar Hyazinthenzwiebeln und die passenden Gläser zum Antreiben. Sie ähneln einer dünnwandigen, bauchigen Glasvase, die oben einen erweiterten hochgezogenen Rand besitzt. In dieser Ausbuchtung liegt die Zwiebel.

Foto: schneiderlein2808 / pixelio.de

Hyazinthen waren im 18. Jahrhundert gefragte Modeblumen. Die kostbaren Blumenzwiebeln wurden wie Schätze gehandelt und waren beachtliche Spekulationsobjekte. Das Treiben der duftenden Frühjahrsboten über Wassergläsern entwickelte sich schnell zur beliebten Kulturform, die heute durch die überall verfügbare Massenware blühender Topfpflanzen beinahe in Vergessenheit geraten ist. Glücklicherweise ist die Hyazinthentreiberei wieder aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht: Die alten Kniffe, die die Blüten aus den Zwiebeln zu locken, sind wieder gefragt.

Eigentlich eignet sich jede Hyazinthenzwiebel, die groß genug ist. Der Zwiebelumfang sollte mindestens 18 cm betragen, damit die Pflanze viel Kraft für die spätere Blüte hat. Soll das Antreiben besonders schnell gehen, kann man rechtzeitig im Herbst speziell präparierte (kältebehandelte) Zwiebeln kaufen. Diese Zwiebeln sind im Fachhandel mit dem entsprechenden Hinweis auf die Treiberei erhältlich.

Die Gläser werden mit abgekochtem Wasser soweit befüllt, dass der Wasserspiegel ca. 2 mm unter dem Zwiebelboden liegt. Die Blumenzwiebel sollte das Wasser nicht berühren, da sie sonst fault.

Skizze: Claudia Kühnel, LRA Bamberg

Zunächst muss der Zwiebel der Winterzustand im Gartenboden vorgegaukelt werden, damit sie zum Leben erwacht: sie bekommt sie ein kegelförmiges ca. 10-12 cm hohes Hütchen (z.B. aus Fotokarton), das das Speicherorgan komplett abdeckt und Dunkelheit simuliert. Um winterliche Temperaturen zu erzeugen, wird das Glas bei 4-9°C kühl gestellt. Dafür bietet sich ein Keller oder eine frostfreie Garage an.

Auf keinen Fall darf die Temperatur 10°C überschreiten, da sonst die Zwiebelblüte steckenbleibt. Jetzt kann die Hyazinthe Wurzeln treiben, die Blüte ruht noch. Gelegentlich wird Wasser nachgefüllt. Wird es trüb, muss es gewechselt werden - dabei immer darauf achten, dass der Wasserspiegel deutlich unter dem Zwiebelboden gehalten wird!

Foto: Astrid Götze-Happe / pixelio.de

Für das Wurzelwachstum braucht man etwas Geduld. Je nach Sorte kann es 8-10 Wochen dauern. Ist diese Phase abgeschlossen, kann das weiterhin abgedeckte Treibglas ins Zimmer geholt werden. Unter dem Hütchen verborgen beginnt sich jetzt die Blütenknospe aus der Zwiebel zu strecken.

Wenn sie das Hütchen anhebt, ist es endlich soweit: Jetzt können die Duft- und Blütenbomben zur vollen Entfaltung kommen! Damit die Blütenpracht möglichst lange währt, müssen die Hyazinthen kühl und hell am Fenster stehen. Sollte das nicht gewährleistet sein, kann man die Gläser nachts kühl - aber frostfrei! - stellen.

Foto: Marco Barnebeck Telemarco / pixelio.de

Ganz nebenbei hat die Hyazinthentreiberei einen sehr umweltfreundlichen Aspekt. Da die Zwiebeln in speziellen Gläsern nur über Wasser zur Blüte gebracht werden, kann auf torfhaltiges Substrat verzichtet werden.

Abgeblühte Hyazinthenzwiebeln können später in den Garten ausgepflanzt werden und erscheinen zuverlässig auch im nächsten Frühjahr.