Gartentipp des Monats

Nisthilfen für Wildbienen lassen sich mit relativ geringem Aufwand selbst bauen. Jeder kann in seinem eigenen Garten ein Stück Lebensraum anbieten. Ein paar Ideen, damit es wirklich funktioniert, gibt es bei uns!

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Fünf Sterne für Insekten - Nisthilfen für Wildbienen

Ein "Insektenhotel" - was ist das eigentllich? Wer zieht hier ein? Warum stellen wir es auf? Insektenhotels finden wir in den letzten Jahren zunehmend - in Naturgärten, auf Schulhöfen, ja, sogar in der freien Landschaft. Die Konstruktionen ähneln sich: In ein Grundgerüst aus Holz werden Holzklötze mit Bohrlöchern, Riedbündel und ähnliches eingebaut. Ziel der Aktion ist es, verschiedenen Insekten eine Möglichkeit zum Nestbau zu verschaffen: Einige Arten der Wildbienen und Solitärwespen nehmen die künstlich angelegten Nisthilfen gerne an, um ihre Brut dort unterzubringen.

Aber wozu der Aufwand? Ist es denn notwendig, den Insekten, die schon immer irgendwie zurecht gekommen sind, mit dieser Art der Fürsorge auf die Sprünge zu helfen? Die Antwort lautet: Ja und nein. Zum einen sind künstliche Nisthilfen wunderbare Beobachtungsstationen, an denen sich die unglaubliche Vielzahl der Arten unserer heimischen Fauna erahnen lässt. Über 500 Arten von Wildbienen gibt es in Bayern. Natürlich werden nicht alle die bereit gestellte Nisthilfe anfliegen, denn ihre Ansprüche an Lebensraum, Futterpflanzen und Nistmöglichkeiten sind sehr unterschiedlich. Immerhin macht das Schwirren und Summen an der Nistwand uns deutlich, dass neben den bekannten Honigbienen eine ganze Menge Verwandte existieren, die wir kaum jemals bewusst wahrnehmen, weil ihr Leben eher im Verborgenen abläuft.

Zum anderen geht es tatsächlich ums Überleben. Der Mangel an geeigneten Nistplätzen und Unterschlupfmöglichkeiten in ausgeräumten Siedlungsgebieten und intensiv bewirtschafteter Feldflur hat für viele Insektenarten zu akuter Wohnungsnot geführt. Egal? Nein, denn jede Tierart erfüllt im ökologischen Wirkungsgefüge eine wichtige Funktion. Gerät das System aus dem Gleichgewicht, können sich daraus Konsequenzen ergeben, die auch wir zu spüren bekommen.

Übrigens: Keine Angst um Ihren Kuchen! Die Wildbienen und Solitärwespen, die eine künstliche Nisthilfe in Anspruch nehmen, werden Ihnen auch zu Hause auf der Terrasse nicht zu nahe treten. Im Gegensatz zu sozial lebenden Wespen oder Honigbienen bilden sie keine Staaten, die verteidigt werden müssen. Sie versorgen die in der Nisthilfe abgelegten Eier mit Proviant, verschließen die Brutröhre und fliegen auf und davon. Wenn alles gut geht, schlüpft im nächsten Frühjahr der Nachwuchs und geht seiner Wege. Diese führen ihn nicht selten in unseren Obst- oder Gemüsegarten: Wir sollten nicht vergessen, dass der Großteil unserer Kulturpflanzen auf die Insektenbestäubung angewiesen ist, soll der Ertrag reichhaltig ausfallen. Nicht nur die Honigbiene, auch all ihre weniger bekannten Verwandten tragen ihren Teil dazu bei, dass unsere Tische reich gedeckt werden.

Wie wird ein Insektenhotel gebaut?
Wer selbst eine Nisthilfe für Wildinsekten bauen möchte, sollte sich an ein paar einfache Grundregeln halten. Sehr gut zur Besiedlung eignen sich Blöcke aus Hartholz, in die Bohrlöcher von 2 bis maximal 10 mm Durchmesser gesetzt werden. Dabei sollte der Löwenanteil der Löcher einen Durchmesser von 4-6 mm aufweisen. Die Tiefe der Bohrungen sollte zwischen 6 und 10 cm liegen. Wichtig: Nur Hartholz von Laubhölzern verwenden, z.B. Buche, Esche, Obstbaum, Birke, Ahorn oder Eiche! Weichholz (Pappel, Weide u.a.) verrottet zu schnell, Nadelholz (Fichte, Kiefer u.a.) sondert Baumharze ab, die den Insekten die Flügel verkleben - deshalb werden derartige Nistangebote nicht angenommen.

Die Hölzer dürfen keinesfalls ganz durch gebohrt werden. Bienen nehmen nur Nistgänge an, die hinten verschlossen sind.

Noch ein Tipp für die Handwerker: Stirnseitig angebohrte Holzblöcke bekommen leicht Spaltrisse. Bohrlöher, die von einem Spaltriss durchzogen sind, werden nicht mehr besiedelt. Deshalb ist es besser, die Holzblöcke quer zur Faserrichtung anzubohren. Auf jeden Fall muss das verwendete Holz ausreichend lange gelagert sein, damit es als Insekten-Quartier taugt. Eine Trocknungszeit von ein bis zwei Jahren vor Verwendung sollte einkalkuliert werden. Entsprechend gut gelagertes Holz bekommt man im Zweifelsfall beim örtlichen Schreiner. Selbstverständlich sollte es nicht gestrichen oder imprägniert sein.

Jede Bastelaktion profitiert von gutem Werkzeug: Mit ausreichend leistungsfähigen Bohrmaschinen oder Akkuschraubern und scharfen Holzbohrern lassen sich im Hartholz mit vertretbarem Aufwand glatte Bohrlöcher erzeugen, die von den Insekten gerne bezogen werden. Ausgefranste oder gesplitterte Bohrgänge dagegen verschmähen die Tiere, da sie ihre empfindlichen Flügel nicht beschädigen möchten.

Neben den Holzblöcken sind auch Nisthilfen aus Schilf, Bambus oder Naturstrohhalmen als Brutgelegenheit beliebt. In gebündelter Form kann man sie waagerecht in eine Rahmenkonstruktion einbauen und mit Holzblöcken kombinieren. Auch speziell für diesen Zweck hergestellte Röhrchen aus wetterfest behandeltem Karton werden gerne als Nistmöglichkeit angenommen.

Kleinere Nisthilfen lassen sich mit Hilfe recycelter Konservendosen einfach herstellen. Am besten sichert man die Stengel oder Röhrchen am Grund der Dose durch eine Schicht Gips oder Wachs, damit hungrige Vögel sie nicht heraus ziehen können. Größere Insektenhotels schützt man mit einem Gitter aus Volierendraht oder Sechseckgeflecht, das in "Schnabel-Abstand", d.h. 5-6 cm vor der Nisthilfe montiert wird.

Markhaltige Stengel, z.B. von Brombeeren oder Königskerzen, bringt man stets einzeln und senkrecht an der Nisthilfe oder an einem sonnigen Platz im Garten an, um die Situation auf einer abgeblühten Wiese zu simulieren. Bienenarten, die ihre Nistgänge selbst nagen, nehmen quer geschichtete Stengel eher selten an.

Nisthilfen aus Ton, so zeigt die Erfahrung, werden nur dann bezogen, wenn die korrekte Brutröhrengröße bereits vorgefertigt ist. Derartige Nistziegel werden im Handel angeboten. Sie können auch als Einzelelemente aufgehängt werden. Hohllochziegel dagegen sind zwar hübsch anzuschauen, sind aber aufgrund ihrer riesigen Löcher als Nisthilfe ungeeignet. Ähnliches gilt für Lehmflechtwerk: Vorgebohrte Brutröhren werden genutzt, eine glatte Lehmwand lockt jedoch keine Besucher an, denn zu oft ist der verwendete Lehm so hart, dass die Insekten selbst keine Brutröhren aushöhlen können. Wer sich trotzdem an einer Lehmwand für Wildbienen versuchen möchte, sollte darauf achten, dass das Erdmaterial nach der Trocknung so weich ist, dass es sich mit dem Fingernagel abkratzen lässt.

Viel eher freuen sich verschiedene Wildbienenarten über offenen Boden an warmer, sonniger Stelle, in den sie ihre Brutgänge bauen können. Unter oder neben einem Insektenhotel kann eventuell ein Hügelbeet aus magerem, sandig-kiesigen Boden aufgeschüttet werden. Aufgepasst: Ungewaschener Sand und Kies eignet sich als Lebensraum-Angebot wesentlich besser als gewaschener Spielsand oder Zierkies ohne Feinkornanteil!

Zurück zu unserem selbst gezimmerten Insektenhotel: Abteilungen mit Strohpackungen, Kiefernzapfen, Rindenstücken, Reisig oder Schneckenhäusern mögen optisch interessant sein, für Wildbienen sind sie als Bestandteil der Nisthilfe aber wertlos. Allenfalls Käfer oder Spinnen verkriechen sich hier zeitweise - allerdings finden sich derartige Strukturen normalerweise noch in ausreichendem Maß in der Umgebung.

Wo wird ein Insektenhotel aufgestellt?
Der Standort eines Insektenhotels will gut gewählt sein. Optimal ist es, wenn in unmittelbarer Nähe geeignete Lebensräume und Futterquellen für die zukünftigen Besiedler vorhanden sind - spät gemähte Wiesen mit heimischen Blumen, Wegesäume, Hecken, Obstwiesen, Sand- oder Magerrasenbiotope. Doch auch in weniger idealer Lage wird man erstaunt sein, welche Vielfalt an Insekten eine Nisthilfe dankbar akzeptiert.

Wichtig: Die Einflugseite der Nisthilfe sollte möglichst nach Süden, Südosten oder Südwesten weisen, gut besonnt werden und wettergeschützt sein. Die Anflugzone vor der Nisthilfe muss frei von Hindernissen sein. Größere Insektenhotels erhalten als Regenschutz ein eigenes Dach und natürlich auch eine geschlossene Rückwand, kleinere Nisthilfen werden am besten an einer warmen Gebäudewand unter einem Dachvorsprung aufgehängt. Dabei bitte darauf achten, dass die Nisthilfen fest verankert sind und nicht pendeln.

Und wenn dann alles gut geht, ist schon in diesem Jahr einiges los, auch in Ihrem Garten!

Merkblatt Insektenhotel

Hier gibt's unser Merkblatt Insektenhotel mit praktischen Tipps zum Bau einer Nisthilfe, Bezugsquellen für geeignetes Baumaterial und Informationsseiten über Wildbienen.