Gartentipp des Monats

Die Mispel ist uraltes Kulturgut und zeigt sich durch ihre Hitze- und Trockenheitstoleranz bestens für die Zukunft gewappnet. Ein echter Gewinn für jeden Hausgarten ist sie durch ihre Blüte im Mai und die aromatischen Früchte im späten Herbst. Welche Qualitäten das seltene Obst bereit hält, erfahren Sie hier.

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Die Mispel - Wildobst mit Kulturgeschichte

Im Mittelalter als Obstgehölz weit verbreitet ist die Mispel (Mespilus germanica) heute nur noch wenigen Menschen ein Begriff. Gelegentlich begegnet sie uns als ausgefallene Dekoration in der herbstlichen Floristik, ohne dabei etwas über ihren eigentlichen Nutzen oder ihre beeindruckende Geschichte zu verraten. Dabei hat das außergewöhnliche Gehölz durchaus das Potential, zu einem echten Liebling im Hausgarten zu werden!

Reiche Ernte: Mispeln setzen zuverlässig Frucht an

Eingeführt wurde die jahrtausendealte Kulturpflanze von den Römern, fand hauptsächlich im Klostergarten ihren Platz und wanderte von dort in das Umfeld ländlicher Siedlungen. In der Landgüterverordnung Karls des Großen, dem "Capitulare de villis", ist die Mispel als eine der rund 90 Nutzpflanzen genannt, die auf den Krongütern kultiviert werden sollten. Heute gilt die Mispel in Deutschland als eingebürgert und ist stellenweise verwildert in Gebüschen und Hecken anzutreffen. Ihr botanischer Name - Mespilus germanica - illustriert, wie vertraut sie einst in der heimischen Kulturlandschaft war.

Im Hausgarten glänzt die Mispel als trockenheitsverträglicher Kleinbaum

Die Mispel gehört zur Familie der Rosengewächse. Sie liebt warme, geschützte Standorte auf sandig-lehmigen, kalkhaltigen Böden. Zwar gilt sie als frostempfindlich, fühlt sich in geschützten Lagen aber auch in vielen Gegenden Oberfrankens wohl. Der große Vorteil der Mispel ist ihre Widerstandsfähigkeit gegen Hitze und Trockenheit: Mit langen, heißen, regenarmen Extremsommern kommt sie problemlos zurecht. Damit wird sie zunehmend interessant als ausgefallener Großstrauch oder Kleinbaum für den Hausgarten.

Von Mai bis Juni trägt der gedrungene Strauch leuchtend weiße, fünfblättrige Blüten, die bei Bienen beliebt sind. Zu einem breit ausladenden, malerisch knorrigen Baum wächst die Mispel nur unter besten Bedingungen heran. Meist wird sie nicht höher als sechs Meter. Sie als Hochstamm zu ziehen ist aufgrund ihres von Natur aus krummstämmigen Wuchses nicht ganz einfach, aber möglich.

Historische Bedeutung hatten die Mispeln aufgrund ihres hohen Gerbsäureanteils zur Haltbarmachung von Wein und Most. In Wein- und Obstbaugebieten sind die wärmeliebenden Gehölze deshalb auch heute noch gelegentlich in der Feldflur zu sehen. In der Bamberger Region kommen Mispeln vor allem in der Nähe von Viereth-Trunstadt häufiger vor.

Geerntet wird die Mispel nach den ersten Frösten.

Interessant wird es im Herbst, wenn die Früchte der Mispel reifen. Sie sind rundlich-apfelförmig, etwa so groß wie ein Pingpongball und mit einer rauen, gelegentlich leicht filzigen Schale versehen. Zunächst grünlich-gelb färben sie sich bald goldig und schließlich braun. Unverwechselbar sind die weit abstehenden Kelchblätter, die der Frucht eine bizarre Krone aufsetzen. Ausgereift sind die Früchte bereits im September oder Oktober. Genießbar werden sie allerdings erst nach dem ersten Frost, der dafür sorgt, dass das steinharte Fruchtfleisch weich wird und der Zuckergehalt ansteigt.

Nach den ersten Frösten wird die Frucht weich. Jetzt ist das goldbraune Fruchtfleisch bereit zur Verarbeitung.

Zwar lädt die teigig weiche, bräunliche Frucht mit den fünf großen Kernen nicht unbedingt zum Rohverzehr ein, sie ist allerdings hervorragend zur Weiterverarbeitung geeignet. Werden die Mispeln vor dem Frost im festen Zustand geerntet, kann man sie kühl und trocken einlagern, bis sie weich werden. Zur Not simuliert ein kurzes Tiefgefrieren den ersten Nachtfrost. Als extravagantes Wildobst bringt die Mispel Abwechslung in die Winterküche.

Der wunderbare aromatische Eigengeschmack der Früchte kommt besonders gut bei der Weiterverarbeitung zu Fruchtaufstrichen oder Kompott zur Geltung. Kenner empfehlen, die Mispel nicht mit anderem Obst zu mischen, sondern pur zu verwenden. Auch zur Herstellung von Obstbränden und Likören eignet sich die Mispel hervorragend.

Unser Tipp: Mispel-Fruchtaufstrich selbst herstellen

Die geernteten Früchte können verarbeitet werden, sobald sie sich teigig weich anfühlen und innen eine goldbraune Tönung haben.

1. Früchte putzen: Blütenboden mit Kelchblättern und Stielansatz abschneiden. Dabei kontrollieren, ob sich am Blütenansatz schwarze Stellen (Pilzbefall) gebildet haben. Schimmlige oder schwärzlich verfärbte Früchte aussortieren. Ist die Frucht innen noch weiß und hart, hat sie noch nicht die nötige Reife erreicht und darf etwas länger gelagert werden.

2. Früchte in einem Topf leicht mit Wasser bedeckt ca. 15 - 30 Min. kochen, bis die Mispeln zerfallen.

3. Fruchtmasse durch ein Sieb streichen, Kerne und Haut entsorgen.

4. Fruchtmus mit Gelierzucker 1:1 sprudelnd aufkochen, heiß in saubere Schraubgläser füllen.

Wer eine Mispel pflanzen möchte, sollte sich an eine spezialisierte Obstbaumschule wenden. Dort sind veredelte, großfruchtige Sorten erhältlich. Die kleinfruchtige Wildform der Mispel trägt Dornen, die Sortenauslesen sind dagegen dornenlos und die Früchte deutlich größer.